Letzter Turner entscheidet das Derby

Am vergangenen Samstag gastierte die Wettkampfgemeinschaft der Teams aus Murr, Erdmannhausen und Pleidelsheim in der Ingersheimer Fischerwörthhalle zum Lokalderby in der Bezirksliga Nord. Beide Teams waren mit einer Niederlage in die diesjährige Ligasaison gestartet. Angesichts der Punkteausbeute auf Augenhöhe im jeweils ersten Wettkampf versprach das Duell zwischen der TG Ingersheim-Sersheim und dem Turn Team MEP einen äußerst spannenden Wettkampf. Und so sollte es auch kommen.

Unter den Augen zahlreichender Besucherinnen und Besucher, unter denen sich einige Ehrenmitglieder des TV Ingersheims und die Ingersheimer Bürgermeisterin Frau Lehnert befanden, begann die TG konzentriert am Boden. Dank sauberer Ausführung hielten die Turner von Betreuer Fred Bulling den leicht schwierigeren Übungen der Gäste des Turn Team MEP stand und sicherten sich das erste Gerät mit 46,25 zu 44,55 Punkten. Die ersten beiden Gerätepunkte in dieser Saison sind vor allem der Tagesbestwertung am Boden von Timo Kögele (12,25 Punkte) und einer blitzsauberen Kür vom Zweitjüngsten im Team Maximilian Otterbach (11,45 Punkte) zu verdanken.

Der Jüngste im Team, Frederik Neubauer, feierte am Pauschenpferd sein Debüt für die TG Ingersheim-Sersheim. Ein Debüt, das sich sehen lassen kann. Sehr zur Freude von Mentor Fred Bulling erturnte sich Frederik durch eine Übung mit einer durchweg guten Spannung im Körper 9,25 Punkte. Nur Pascal Würth zauberte noch mehr am Pferd. Er erhielt 10,25 Punkte für seine Kür. Über 10 Punkte sollte an diesem Wettkampf kein Turner mehr erreichen. Dadurch konnte die TG überraschenderweise auch zwei Gerätepunkte am sonst als Zittergerät deklarierten Pauschenpferd (36,00 : 35,25) auf ihr Konto verbuchen.

Die Turner der TG Ingersheim-Sersheim zeigten sich angesichts der ersten beiden Geräte, die gewonnen werden konnten, und einem Vorsprung von 2,45 Punkten erleichtert über den Start in den einzigen Heimwettkampf in dieser Saison. Wie spannend der Wettkampf aber dennoch blieb und wie eng das Niveau der beiden Mannschaften liegt, zeigte das Ergebnis an den Ringen. Zwar trat die TG aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Paul Kretschmer nur mit vier Turnern an, mit 0,15 Punkten Vorsprung konnte sich das Team aus Ingersheim und Sersheim an den Ringen (41,85 : 41,70) dennoch gegenüber den Übungen des Turn Teams MEP durchsetzen. Den zwei mit besonders schwierigen Teilen bestückten Übungen von Pascal und Nikolai Neuweiler, konnte sich die TG erneut in Person von Pascal Würth (11,25 Punkte) und durch Routinier Michael Grösch (11,15 Punkte) entscheidend entgegensetzen.

So ging man nach drei gewonnen Geräten und einem Vorsprung von 2,6 Punkten in die Halbzeitpause. Über 120 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden in der Zwischenzeit den Weg in die Fischerwörthhalle. Das verfehlt den bestehenden Besucherrekord bei Heimwettkämpfen der TG Ingersheim-Sersheim nur knapp. Fred Bulling war bis hierhin mit seinen Schützlingen sehr zufrieden: „In der ersten Hälfte des Wettkampfes haben die Turner durchweg saubere Übungen gezeigt. Wir wussten, das mit dem ersten Heimsieg seit 2015 konnte etwas werden.“

Nach der Pause hieß es für beide Seiten wieder volle Konzentration. Zuerst auf den Sprung. Nach guten Überschlägen von Daniel Nowak (10,5 Punkte) und Yannis Grau (10,25 Punkte) folgte ein großer Schockmoment für alle. Pascal Würth, der bis dahin beste Turner der TG, verletzte sich beim Absprung am Knie und konnte deshalb seinen Sprung nicht vollenden. Sehr zum Bedauern von Betreuer Bulling, fiel Pascal schließlich für den restlichen Wettkampf aus. Inzwischen konnte der Leistungsträger bereits Entwarnung geben und will alles dafür geben schnell wieder für die nächsten Wettkämpfe fit zu werden. Tim Henning und Jannis Noé ließen sich von der Verletzung ihres Teamkollegen nicht aus der Ruhe bringen und turnten konzentriert ihre Sprünge. Mit 10,35 und 10,45 Punkten sicherten Sie sich schließlich auch das vierte Gerät (41,55 : 40,85) für die TG Ingersheim-Sersheim.

Am vorletzten Gerät des Wettkampfes wurde die Verletzung von Würth nun spürbar. Den mit einigen Handständen geschmückten Übungen des Turn Teams konnte die TG auch mit einer super Übung von Jannis Noé (11,05 Punkte) und einer souveränen Kür von Michael Grösch (10,25 Punkte) nicht entscheidend dagegenhalten. So ging der Barren mit 39,40 : 42,55 Punkten an die Gäste aus Murr, Erdmannhausen und Pleidelsheim. Dies hatte zur Folge, dass der bisher herausgearbeitete Vorsprung schmolz und man mit einem Zwischenergebnis von 205,05 zu 204,9 Punkten an das letzte Gerät, das Reck, ging.

Der Wettkampf hielte was im Vorfeld erwartet wurde und ein wahrer Turnkrimi entstand. Ein Punkteunterschied von 0,15 Punkten ist im Gerätturnen eine Kleinigkeit und so waren alle gespannt, wer am Reck den Sieg einfahren kann und das Derby für sich entscheiden würde. Die jeweils ersten beiden Turner auf beiden Seiten brachten noch keine Klarheit. Paul Glaser und Yannis Grau erhielten jeweils eine 7er-Wertung für ihre Kür am Reck. Nikolai Neuweiler brachte mit einer eindrucksvollen und schwierigen Übung, für die es 10,40 Punkte gab, den Vorteil vorerst auf die Seite der Gäste. Jannis Noé lies den Druck jedoch nicht an sich heran und zeigte ebenfalls einen äußerst starken Auftritt. Mit einer von den Zuschauenden umjubelten Kür, für die es den geringsten Abzug am Reck und dadurch 10,15 Punkte gab, glich er die Partie wieder völlig aus. So kam es auf die letzten vier Turner an das Bezirksliga-Duell zu entscheiden. Julian Rentschler legte für MEP mit 8,75 Punkten vor, Michael Grösch (9,65 Punkte) zog für die TG nach. Der beste Sechskämpfer des Wettkampfes, Pascal Neuweiler, verbuchte 9,05 Punkte für die Gäste und überlies nun Timo Kögele die Aufgabe den Wettkampf zu beenden und das Ergebnis festzulegen. Angefeuert von den Zuschauenden erturnte sich Timo mit seiner Übung, in der er zwei Drehungen in der Riesenfelge zeigt, 9,15 Punkte und sicherte somit der TG Ingersheim-Sersheim zwei weitere Gerätepunkte am Reck (36,80 : 35,60) und dadurch auch den Sieg im Derby.

Die TG Ingersheim-Sersheim gewann schließlich mit 241,85 : 240,50 Punkten einen spanenden Wettkampf gegen starke Gegner aus Murr, Erdmannhausen und Pleidelsheim. Fred Bulling resümiert: „Es war ein wahrer Krimi für die Turner und die Zuschauenden mit einem Happy End für die TG, trotz bitterem Beigeschmack aufgrund der Verletzung. Die TG ist stark am Reck zurückgekommen und hat dank der besseren Ausführung heute gewonnen.“ Er ergänzt: „Ich bin zufrieden mit den Leistungen meiner Jungs und stolz auf das gesamte Team, das sich an die spontanen Anpassungen aufgrund eines Feuerwehreinsatzes angepasst hat und den Ausfall von Pascal gut kompensiert hat.“.

Die Turner aus Ingersheim und Sersheim erhalten nur eine kurze Pause vor dem nächsten Wettkampf. Weiter geht’s am kommenden Samstag, 12.03.2022, um 15 Uhr in Schwäbisch-Gmünd. Das Auswärtsduell gegen den TV Wetzgau III verspricht erneut einen spannenden Wettkampf, da es für die Gegner der TG der erste Wettkampf in dieser Saison sein wird und man dadurch „mit allem rechnen muss“, so Mannschaftsführer Bulling.

Für die TG turnten:

Jannis Noé (5 Geräte), Pascal Würth, Yannis Grau (beide 4), Paul Glaser, Michael Grösch, Timo Kögele (alle 3), Tim Henning, Daniel Nowak, Maximilian Otterbach (alle 2) und Frederik Neubauer (1)